Langfristige Perspektive für die NFDI: Übergang in dauerhafte Strukturen kann beginnen

Mit der neuen Bund-Länder-Vereinbarung beginnt für die NFDI der Weg von der Aufbauphase in dauerhafte Strukturen. NFDI4Biodiversity bringt seine bewährten Angebote, die Perspektiven seiner Community und bestehende Kooperationen aktiv in diesen Wandel ein.
Die Gemeinsame Wissenschaftskonferenz (GWK) hat am 10. Juli 2026 eine neue Bund-Länder-Vereinbarung zur Nationalen Forschungsdateninfrastruktur (NFDI) beschlossen. Damit erhält die NFDI eine langfristige Perspektive: Vom 1. Januar 2029 bis zum 31. Dezember 2038 wollen Bund und Länder jährlich bis zu rund 98,7 Millionen Euro für ihre Verstetigung bereitstellen. Die Mittel werden im Verhältnis 90 zu 10 von Bund und Ländern getragen.
Der Beschluss ist eine hervorragende Nachricht für die Wissenschaft. Seit dem Start der ersten Konsortien im Jahr 2020 ist aus vielen fachlich verankerten Initiativen ein bundesweites Netzwerk für den verantwortungsvollen Umgang mit Forschungsdaten entstanden. Es erschließt Datenbestände, etabliert Standards, Werkzeuge und Beratungsangebote und verbindet Fachcommunities, Datenzentren und Infrastruktureinrichtungen. Diese umfangreiche Expertise, die aufgebauten Beziehungen und die bereits vielfach im Forschungsalltag genutzten Angebote sollen mit der neuen Bund-Länder-Vereinbarung gesichert und in eine dauerhafte Struktur überführt werden.
Vom Aufbauprojekt zur dauerhaften Infrastruktur
Die neue Vereinbarung ist deshalb mehr als eine Anschlussfinanzierung – sie läutet einen grundlegenden Umbau ein: Um die von den 26 Fachcommunities aufgebauten Strukturen sinnvoll zusammenzuführen, soll sich der NFDI-Verein künftig in bis zu acht Fachbereiche und ein Betriebsnetz gliedern. Die Fachbereiche sollen dabei die fachspezifischen Aktivitäten koordinieren und verantworten, das Betriebsnetz soll eine zentrale, zugleich föderiert betriebene Plattform für Dienste bilden. Ergänzend ist ein von der Deutschen Forschungsgemeinschaft (DFG) administriertes Innovationsprogramm vorgesehen, das neue Entwicklungen im Forschungsdatenmanagement aufgreifen und erproben soll.
Die Richtung ist damit gesetzt – doch die genaue Ausgestaltung der Konsolidierung gilt es in den kommenden Monaten auszuarbeiten. Eine tragende Rolle wird hierbei ein vom Kuratorium des NFDI-Vereins einzusetzendes Transitionsteam einnehmen, das zwischen Dezember 2026 und Dezember 2028 unter anderem die bis zu acht Fachbereiche und das Betriebsnetz etablieren, einen Zeit- und Verfahrensplan für die Überleitung der Konsortien entwickeln, Kooperationsmodelle vorbereiten und die vorhandenen Dienste systematisch inventarisieren und konsolidieren soll. Das Team soll aus bis zu sechs Personen aus Wissenschaft und Wissenschaftsmanagement bestehen, von einem administrativen Arbeitsstab unterstützt werden und die Möglichkeit haben, externen Sachverstand hinzuzuziehen.
2027 werden somit zentrale Entscheidungen anstehen – unter anderem dazu, wie die Fachbereiche fachlich zugeschnitten werden, welche Konsortien sich in ihnen zusammenschließen werden, wie Communities verlässlich beteiligt bleiben und nach welchen transparenten Kriterien bewährte Angebote in die künftige Struktur gelangen können.
Auch die Finanzierung bildet den Übergang schrittweise ab. Die bisherige Konsortialförderung wird zwischen 2029 und 2032 degressiv weiterfinanziert. Nach dem vollständigen Aufbau der Fachbereiche sind – abzüglich der Evaluationskosten – 80 Prozent der Mittel für den NFDI-Verein und 20 Prozent für das DFG-Innovationsprogramm vorgesehen. Der Wandel soll also nicht mit einem harten Schnitt erfolgen; dennoch verlangt er frühzeitig belastbare Entscheidungen darüber, welche fachlichen Aufgaben, Kompetenzen, Dienste und Kooperationen dauerhaft benötigt werden.
Wie NFDI4Biodiversity den Wandel gestaltet
Das auf fünf Jahre angelegte Arbeitsprogramm der zweiten Förderphase gibt NFDI4Biodiversity den fachlichen Rahmen bis 2030. Finanziert ist die Arbeit derzeit bis Ende 2028; für 2029 und 2030 rechnet das Konsortium mit Übergangsmitteln, deren Höhe noch nicht feststeht. Spätestens 2031 müssen daher tragfähige Übergänge für die Aufgaben, Angebote und Kooperationen geschaffen sein, die dauerhaft fortgeführt werden sollen.
"Die neue Bund-Länder-Vereinbarung gibt der NFDI die dringend notwendige Langzeitperspektive. Entscheidend ist nun, den Übergang so zu gestalten, dass unsere vielfältigen Angebote an die Biodiversitätsdaten-Fachgemeinschaft erhalten und gewinnbringend mit fachlich verwandten Konsortien zusammengeführt werden können." [NFDI4Biodiversity-Sprecher Frank Oliver Glöckner]
Diesen Prozess wird das inzwischen rund 60 Institutionen aus Forschung, Museen und Sammlungen, naturkundlichen Fachgesellschaften, Citizen-Science-Initiativen und Behörden umfassende NFDI4Biodiversity-Netzwerk aktiv mitgestalten. Die Ausgangslage ist stark: Das internationale Begutachtungsgremium der DFG bewertete seine Arbeit 2025 als „höchst relevant für die wissenschaftliche Community“ und attestierte ihm eine „herausragende Dynamik“ bei der Mobilisierung und Bereitstellung von Biodiversitätsdaten. Auch die Organisationsstruktur, die Einbindung der Community und der Reifegrad der Ergebnisse wurden als vorbildhaft beurteilt.
„Die neue Bund-Länder-Vereinbarung gibt der NFDI die dringend notwendige Langzeitperspektive. Entscheidend ist nun, den Übergang so zu gestalten, dass unsere vielfältigen Angebote an die Biodiversitätsdaten-Fachgemeinschaft erhalten und gewinnbringend mit fachlich verwandten Konsortien zusammengeführt werden können. Gleichzeitig ist es für uns wichtig, offen zu bleiben, um künftig neue wissenschaftliche Anforderungen und Communities integrieren zu können.“
Biodata Interest Group: “Bedarfe früh benennen, Schnittstellen praktisch erproben und Bildung der Fachbereiche konstruktiv begleiten”
Die neue Struktur wird nicht am Reißbrett entstehen können, sondern bedarf der engen Kooperation der Konsortien. Eine wichtige Rolle wird hier die Biodata Interest Group spielen, in der DataPLANT, NFDI4Biodiversity, NFDI4Microbiota, FAIRagro, NFDI4Objects und NFDI4BIOIMAGE ihre Expertise im Forschungsdatenmanagement für die biologischen Wissenschaften bündeln. Die Kooperation, die 2024 mit drei Konsortien begann und 2026 auf sechs Partner erweitert wurde, erstreckt sich von Standards für biologische Daten und Workflows über interoperable Services und gemeinsame Infrastrukturen, bis hin zu abgestimmten Trainings- und Supportangeboten.
„In der Biodata Interest Group erleben wir bereits, wie viel entsteht, wenn verwandte Communities ihre unterschiedlichen Stärken zusammenbringen. Diese gewachsene Kooperation ist für die Transitionsphase besonders wertvoll: Wir können gemeinsame Bedarfe früh benennen, Schnittstellen praktisch erproben und die Bildung der Fachbereiche konstruktiv begleiten. Unser Ziel ist eine Struktur, die Synergien nutzt, ohne die Vielfalt biologischer Daten und Forschungskulturen einzuebnen, damit Forschende sehr schnell ihre jeweiligen fach- und methodengerechten Anlaufstellen finden.“
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