"Wissen schaffen ohne Daten, das kann es nicht geben"

Vom Prinzip "mein Experiment, meine Daten" zu gemeinsam nutzbaren Wissensbeständen: Ein Interview mit Frank Oliver Glöckner (NFDI4Biodiversity) und Astrid Nieße (NFDI4Energy) beleuchtet, warum es in Sachen Datenverständnis und -nutzung einen Kulturwandel braucht.
Vom Prinzip „mein Experiment, meine Daten“ zu gemeinsam nutzbaren Wissensbeständen: Wie sich wissenschaftliche Praxis im Umgang mit Daten verändert, beleuchtet ein lesenswertes, Ende April erschienenes Interview im Blog der Carl von Ossietzky Universität Oldenburg. Astrid Nieße (Universität Oldenburg, OFFIS), Sprecherin von NFDI4Energy, und Frank Oliver Glöckner (Universität Bremen, Alfred-Wegener-Institut), Sprecher von NFDI4Biodiversity, sprechen darin mit Redakteurin Deike Stolz über die Rolle der Nationalen Forschungsdateninfrastruktur (NFDI) und die wachsende Bedeutung von Daten für die Forschung. Glöckner formuliert dabei eine grundlegende Einsicht: "Wissen schaffen ohne Daten, das kann es nicht geben." Entsprechend versteht er die NFDI als Infrastruktur, "[…] Wissenschaft überhaupt zu ermöglichen" – gerade in datenintensiven Feldern wie der Biodiversitätsforschung.
Der von der NFDI angestoßene Wandel dürfe dabei nicht nur technischer, sondern müsse darüber hinaus unbedingt auch kultureller Natur sein. Glöckner beschreibt den Bruch mit einem lange verbreiteten Verständnis von Forschung als individueller Leistung – vom Prinzip "mein Experiment, meine Daten, mein Paper" hin zu einer stärker gemeinschaftlich organisierten, datengetriebenen Wissenschaft. "Im Vordergrund steht das Allgemeingut", so Glöckner. Damit verbunden sei die Anforderung, Daten so bereitzustellen, dass sie von anderen weiterverwendet werden können – einschließlich der notwendigen Kontextinformationen: "[…] denn Daten ohne Kontext gebende Metadaten sind total nutzlos."
Wie aktuell diese Fragen sind, zeigte sich jüngst in Glöckners Engagement als Leiter von PANGAEA, einem offenen Repositorium für georeferenzierte Umwelt- und Erdsystemdaten. Zusammen mit Kolleg:innen anderer Institutionen hatte er sich dafür stark gemacht, wertvolle Datenbestände aus den USA zu sichern, die aufgrund politischer Sparmaßnahmen und struktureller Eingriffe der Trump-Regierung verloren zu gehen drohten. Der Fall führte einmal mehr vor Augen, wie abhängig Forschungsdaten oft noch von einzelnen Institutionen und Projekten sind – und wie elementar es ist, Daten aus solchen Abhängigkeiten lösen, in verlässlichen Repositorien zu sichern und ihre Verfügbarkeit stabilisieren.
Das vollständige Interview finden Sie hier.