News | 2. Juli 2026 | Katharina Frohne

Historischer Biodiversitätsdatensatz erhält FAIRest Dataset Award 2026

Dr. Thore Engel (iDiv) nimmt den Thüringer FAIRest Dataset Award 2026 stellvertretend für das interdisziplinäre Projektteam entgegen.

Ein Datensatz mit Tierbeobachtungen aus dem Jahr 1845 ist mit dem Thüringer FAIRest Dataset Award 2026 ausgezeichnet worden. Die Ehrung zeigt beispielhaft, wie NFDI4Biodiversity gemeinsam mit Archiven, Universitäten und Forschungseinrichtungen historische Biodiversitätsdaten für die Wissenschaft nutzbar macht.


Auszeichnung für vorbildlich aufbereitete Forschungsdaten

Der Datensatz Historical Animal Observation Records by Bavarian Forestry Offices (1845) wurde mit dem Thüringer FAIRest Dataset Award 2026 ausgezeichnet. Das Thüringer Kompetenznetzwerk Forschungsdatenmanagement würdigt damit Datensätze, die die FAIR-Prinzipien – Findable, Accessible, Interoperable und Reusable – in besonderer Weise umsetzen.

Die Jury hob insbesondere die umfassende Dokumentation, die konsequente Nutzung etablierter Standards sowie die hohe Nachnutzbarkeit der Daten hervor. Dr. Thore Engel vom Deutschen Zentrum für integrative Biodiversitätsforschung (iDiv) nahm den Preis stellvertretend für das gesamte Autor:innen- und Projektteam entgegen.

Für NFDI4Biodiversity ist die mit 2000 Euro dotierte Auszeichnung eine besondere Anerkennung: Der prämierte Datensatz wurde im Rahmen der ersten Förderphase des Konsortiums mobilisiert und steht exemplarisch für dessen Ziel, Biodiversitätsdaten unterschiedlichster Herkunft langfristig auffindbar, interoperabel und wiederverwendbar zu machen.

Aus Archivquellen werden Forschungsdaten

Die ausgezeichneten Daten gehen auf eine bayernweite Erhebung aus dem Jahr 1845 zurück. Damals dokumentierten Förster in ganz Bayern handschriftlich ihre Beobachtungen von Tierarten – darunter Wolf, Luchs, Braunbär oder Fischotter. Jahrzehntelang lagen diese einzigartigen Quellen im Bayerischen Hauptstaatsarchiv und waren für Biodiversitätsforschung praktisch nicht nutzbar. 

Erst durch die Zusammenarbeit von Expert:innen aus den Staatlichen Archiven Bayerns, der Universität Passau und dem Deutschen Zentrum für integrative Biodiversitätsforschung (iDiv) konnten die historischen Aufzeichnungen digitalisiert, georeferenziert, taxonomisch harmonisiert und nach internationalen Biodiversitätsstandards aufbereitet werden. Anschließend wurden sie über GFBio und das internationale Biodiversitätsnetzwerk GBIF veröffentlicht und damit weltweit für Forschung und Naturschutz zugänglich gemacht.

Der Datensatz dient inzwischen nicht nur als wertvolle Grundlage für Studien zum langfristigen Biodiversitätswandel, sondern auch als Modell dafür, wie sich historische Quellen systematisch in moderne Forschungsinfrastrukturen integrieren lassen. 

"Die Auszeichnung freut uns besonders, weil sie zeigt, dass hochwertiges Forschungsdatenmanagement einen echten Unterschied macht"

Die Auszeichnung unterstreicht zugleich eine der zentralen Stärken von NFDI4Biodiversity: Als bundesweites Konsortium bringt es Archive, Universitäten, Forschungsinstitute, naturkundliche Fachgesellschaften, Citizen-Science-Initiativen und Dateninfrastrukturen zusammen, um Biodiversitätsdaten unterschiedlichster Herkunft nach gemeinsamen Standards aufzubereiten und langfristig für Forschung und Naturschutz nutzbar zu machen. 

„Die Auszeichnung freut uns besonders, weil sie zeigt, dass hochwertiges Forschungsdatenmanagement einen echten Unterschied macht“, sagt Prof. Dr. Frank Oliver Glöckner, Sprecher von NFDI4Biodiversity. Dr. Barbara Ebert, Stellvertretende Sprecherin des Konsortiums, ergänzt: „Darüber hinaus würdigt sie eine Form der Zusammenarbeit, die für NFDI4Biodiversity zentral ist: Als Expertennetzwerk bringen wir Menschen und Institutionen mit ganz unterschiedlichen Perspektiven zusammen. Wenn sich diese Kompetenzen ergänzen, entstehen Lösungen und Datensätze, die weit über die Möglichkeiten einzelner Einrichtungen hinausgehen. Dass eine solche Kooperation nun ausgezeichnet wurde, ist eine schöne Bestätigung für den Weg, den wir als Konsortium gehen.“

Mit dem Bayerischen Hauptstaatsarchiv, der Universität Passau und dem iDiv waren dabei gleich mehrere Einrichtungen aus dem rund 60 Institutionen umfassenden Netzwerk von NFDI4Biodiversity beteiligt. 

Die Mobilisierung der bayerischen Archivdaten steht dabei exemplarisch für die Arbeit des Konsortiums. Seit 2020 wurden im Rahmen von NFDI4Biodiversity bereits mehr als 1.700 Biodiversitätsdatensätze kuratiert und als FAIR-Daten veröffentlicht. Hinzu kommen zahlreiche dynamische Datensätze aus naturkundlichen Sammlungen mit Millionen von Fundnachweisen, die heute über internationale Infrastrukturen wie GBIF frei verfügbar sind und neue Forschung ermöglichen.

Weitere Informationen zur Auszeichnung, dem prämierten Team und der Begründung der Jury finden Sie in der Pressemitteilung des Thüringer Kompetenznetzwerks Forschungsdatenmanagement


Über den FAIRest Dataset Award

Der Thüringer FAIRest Dataset Award wird seit 2020 vom Thüringer Kompetenznetzwerk Forschungsdatenmanagement vergeben. Ausgezeichnet werden veröffentlichte Forschungsdatensätze, die die FAIR-Prinzipien besonders vorbildlich umsetzen. Nach Angaben des TKFDM ist der Wettbewerb der älteste FAIR-Award in der deutschen Wissenschaftslandschaft; 2026 wurde er zum siebten Mal ausgeschrieben. Ziel der Auszeichnung ist es, gutes Forschungsdatenmanagement sichtbarer zu machen und die Veröffentlichung gut dokumentierter, nachnutzbarer Forschungsdaten zu fördern.


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Katharina Frohne

Katharina verantwortet in NFDI4Biodiversity die Wissenschaftskommunikation und Öffentlichkeitsarbeit und kümmert sich u.a. um diese Webseite und die Social-Media-Kanäle des Konsortiums. Bevor sie 2021 zum Projekt gestoßen ist, hat sie als Journalistin über Wissenschafts-, Kultur- und Gesellschaftsthemen geschrieben.

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