NFDI4Biodiversity-Flexfunds: Drei Projekte zeigen, wie mit kleinen Mitteln große Ideen umgesetzt werden

Wenn Daten vorhanden sind – aber nicht oder nur eingeschränkt genutzt werden können
Weltweit werden täglich große Mengen an Biodiversitätsdaten erzeugt – doch oft bleibt ihr Potenzial ungenutzt. Einige Daten sind schwer zugänglich, andere nicht ausreichend standardisiert oder nur mit großem Aufwand auswert- und damit für Forschungszwecke nutzbar.
Hier setzen die Flexfunds von NFDI4Biodiversity an: Mit flexiblen Anteilen des Förderbudgets werden gezielt kleinere Projekte unterstützt, die solche Hürden abbauen und neue Wege im Umgang mit Daten eröffnen.
Drei aktuelle Projekte zeigen, wie unterschiedlich diese Ansätze sein können – und wie konkret sie zur Verbesserung der Datennutzung beitragen.
Doch zuerst: Welche Art von Projekten werden mithilfe der NFDI4Biodiversity Flexfunds gefördert?
Unterstützt werden können Vorhaben, die dazu beitragen, Biodiversitäts-, Ökologie- und Umweltdaten besser zugänglich, nutzbar und nachnutzbar zu machen – etwa durch neue Tools, Services, Datenmobilisierungen mit Vorbildcharakter oder Schulungsmaterialien. Das Besondere: Die Mittel können gezielt dort eingesetzt werden, wo kurzfristig Bedarf oder Innovationspotenzial besteht. Ein eigens einberufenes Reviewer Board begutachtet alle Bewerbungen und spricht Förderempfehlungen aus, die das Steering Committee des Konsortiums schließlich verabschiedet.
Drei neue Projekte: Drei Perspektiven auf Biodiversitätsdaten
Die aktuell startenden Flexfunds-Projekte zeigen exemplarisch, wie unterschiedlich die Herausforderungen im Umgang mit Biodiversitätsdaten sind – und wie sie gelöst werden können.

Unterstützung für Mikrobiom-Daten: Helpdesk für die Community
Das Projekt Microbial Community Database (MiCoDa) setzt an einem schnell wachsenden Forschungsfeld an: Mikrobiom-Daten.
Solche Daten – etwa aus der Analyse von Umweltproben – werden weltweit in großen Mengen erzeugt. Allerdings sind sie nicht immer leicht zugänglich oder nachnutzbar. Besonders Forschende aus weniger gut ausgestatteten Regionen haben oft geringere Möglichkeiten, ihre Daten zu archivieren oder wiederzuverwenden.
Auf diese Herausforderung konzentriert sich das Flexfunds-Projekt:
- Es baut einen Helpdesk auf, der Forschende beim Archivieren ihrer Daten unterstützt
- Daten und Metadaten werden kuratiert und in eine standardisierte, nutzbare Form gebracht
- Zusätzlich werden Trainings, Kurse und Community-Formate organisiert
Ziel ist es, die Qualität und Wiederverwendbarkeit von Mikrobiom-Daten so nachhaltig zu verbessern – und gleichzeitig die internationale Beteiligung zu stärken.
Das Projekt wird am Helmholtz-Zentrum für Umweltforschung (UFZ) unter Leitung von Stephanie Jurburg umgesetzt. Weitere Partner sind die Universität Bremen, das Forschungsinstitut für Nutztierbiologie (FBN) sowie die Gesellschaft für Biologische Daten e.V. (GFBio e.V.).

Landnutzungsdaten sichtbar machen: InVeKoS im VAT-System
Das Projekt InVeKoS beschäftigt sich mit einem bislang schwer zugänglichen Datenschatz: räumlich hochaufgelöste Landnutzungsdaten aus der Landwirtschaft.
Diese Daten entstehen im Rahmen eines EU-weiten Systems zur Verwaltung von Agrarförderung. Sie enthalten unter anderem Informationen darüber:
- welche Kulturpflanzen wo angebaut werden
- welche Flächen ökologisch bewirtschaftet werden
- welche Landschaftselemente (z.B. Hecken) vorhanden sind
Für die Biodiversitätsforschung sind solche Informationen extrem wertvoll. Bisher sind sie jedoch:
- dezentral organisiert
- uneinheitlich aufbereitet
- nur eingeschränkt verfügbar
Das Projekt verfolgt daher drei zentrale Schritte:
- Zusammentragen und Harmonisieren der Daten aus verschiedenen Quellen
- Aufbereitung in standardisierter Form
- Integration in das VAT-System (Visualization, Analysis and Transformation)
Damit werden die Daten künftig besser analysierbar und für Forschung sowie Anwendung nutzbar gemacht.
Beteiligt sind das Leibniz-Institut für ökologische Raumentwicklung (IÖR) und die Universität Marburg. Ansprechpartner sind Lisa Eichler (IÖR) und Bernhard Seeger (Universität Marburg).

Historische Biodiversitätsdaten erschließen: Tagebücher als Datenquelle
Das Projekt HistOrniGraph zeigt, dass auch historische Quellen ein großes Potenzial für Biodiversitätsdaten bergen.
Im Mittelpunkt stehen ornithologische Tagebücher aus dem 20. Jahrhundert. Sie enthalten Beobachtungen zu Vogelarten, Fundorten und Umweltbedingungen – allerdings in unstrukturierter Form.
Das Projekt entwickelt einen Workflow, um solche Quellen systematisch nutzbar zu machen:
- Inhalte werden teilautomatisiert erschlossen
- mit Metadaten und kontrollierten Vokabularen angereichert
- in einen Knowledge Graphen überführt
- und als Linked Open Data bereitgestellt
Ein Knowledge Graph ist dabei eine strukturierte Form der Datenorganisation, in der Informationen miteinander verknüpft werden. So lassen sich Zusammenhänge besser analysieren und neue Forschungsfragen stellen.
Langfristiges Ziel ist ein übertragbarer Ansatz, der auch auf andere historische Materialien angewendet werden kann.
Das Projekt wird gemeinsam von der Generaldirektion der Staatlichen Archive Bayerns und der Universität Passau umgesetzt. Projektleitungen sind Lina Hörl und Malte Rehbein.
Warum die Flexfunds so wichtig sind
Die drei Projekte machen deutlich: Fortschritte im Umgang mit Biodiversitätsdaten entstehen oft nicht durch große Einzelmaßnahmen, sondern durch gezielte, praxisnahe Innovationen.
Die Flexfunds schaffen dafür den nötigen Raum:
- Sie ermöglichen Menschen aus der Community experimentelle Ansätze
- Sie stärken die Zusammenarbeit zwischen Einrichtungen – oft fachübergreifend und interdisziplinär
- Sie sorgen dafür, dass Lösungen direkt in die Praxis überführt werden – und so die Biodiversitätsdaten-Fachgemeinschaft als Ganze bereichern
Nächste Ausschreibung
Die nächste Flexfunds-Ausschreibung startet voraussichtlich Anfang 2027. Abonnieren Sie hier unsere Community-Mailingliste, um den Call nicht zu verpassen.
Bei Fragen zu den Flexfunds wenden Sie sich gern an Jan-Ocko Heuer (joheuer@gfbio.org), der Sie ggf. an die Ansprechpartner:innen der Flexfunds-Projekte weitervermittelt.
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